Pflege

Grundsätzliches

Natürlich dürfte jedem schon aufgefallen sein, dass das Deutsche Angora nicht gerade klein oder gar ein Zwergkaninchen ist (was die Meisten beim Wort Angorakaninchen meiner Erfahrung nach denken). Ziva zum Beispiel wiegt 3,2kg, Abbs als großes Mädel 3,9kg und Gibbs noch deutlich mehr. Man sollte also bedenken, dass diese Tiere ein größeres Platzangebot benötigen und auch zu schätzen wissen. Der grundsätzliche Zeitaufwand ist aber gleich zu Kaninchen anderer Rassen. 

Fellpflege

Die schlechte Nachricht zuerst: Sie MÜSSEN ein Angora mindestens alle Vierteljahre scheren, aber die gute Nachricht, Sie brauchen Ihr Angora nicht kämmen oder bürsten. Ein Deutsches Angora, das auch auf die entsprechende Wollqualität gezüchtet wurde, verfilzt nicht oder kaum. Es gibt ein paar kleine Stellen (zwischen den Ohren) an denen sie filzen können, aber darüber wird Sie Ihr Züchter aufklären. Das Haar des Angoras wächst unaufhörlich, hat es eine Länge von 6-8 cm erreicht, muss es geschnitten werden. Sonst wird das Tier der Wolle nicht mehr Herr und die -dann überreife- Wolle beginnt in den Spitzen zu filzen. Außerdem wird dem Tier unter seinem zu langem Pelz schnell sehr warm, es stellt die Nahrungsaufnahme ein, auch Durchfall kann die Folge sein, was zwangsläufig über kurz oder lang zum Tod des Tieres führen würde. Das Scheren ist nicht schwer, wenn man es sich von einem Profi zeigen lässt. Man benötigt dafür auch keine Schermaschine, auch wenn diese die Arbeit vielleicht etwas erleichtert. Eine gute Friseurschere reicht völlig aus. Der Profi wird Ihnen damit ein Kaninchen in 5-10 Minuten geschoren haben, unser erster Versuch, ganz in Ruhe ohne das Tier irgendwo geschnitten zu haben, dauerte 45 Minuten. Das klingt vielleicht viel, aber diese Zeit müssen Sie sich gerade viermal im Jahr nehmen. Nicht oft -wie ich finde- für ein Tier, dass Sie sehr gern haben und das Ihnen damit noch eine Leistung erbringt. Denn gesammelt können das bei richtig guten Tieren bis zu 2000g feinster Angorawolle pro Jahr und Tier sein!

 

Haltung

Da wir unsere Angoras in Außenstallungen halten, wie alle anderen „Stallkaninchen“, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, wie sich die Haltung des Angoras in der Wohnung mit den handelsüblichen Käfigen gestaltet. Unsere Tiere haben Boxen von ca. 120 cm Länge und 60 cm Tiefe, sowie 60 cm Höhe. Die Boxen werden unterteilt in ein Strohabteil und ein Rostabteil. Das Rost schadet den Pfoten des Angoras nicht, da diese ebenso stark bewollt sind wie der Rest des Kaninchens. Es wird jedoch -der Erfahrung anderer Züchter nach- gern von Tieren mit längerer Wolle oder gerade im Sommer genutzt, um einen kühlen Liegeplatz zu haben. In der Zeit nach dem Scheren sitzen unsere Angoras nur auf Stroh, damit sie gerade im Winter nicht frieren. Stroh mit Ährenresten, Grannen usw. ist jedoch zu meiden, da diese sich in die Wolle wickeln und zu Filz führen. 

Fütterung

Die Fütterung gestaltet sich einfach, ganz ähnlich der Fütterung anderer Kaninchen. Es sollte ausreichend und qualitativ hochwertiges Heu und ständig sauberes Wasser zur Verfügung stehen. Dazu gibt es bei uns immer „Feuchtfutter“, zum Beispiel Futterrüben, Möhren, Äpfel, Brokkoli, Gurke, Melone und im Sommer natürlich Grünfutter von der Wiese. Auch obligatorisch ist bei uns das pelletierte Kraftfutter. Angoras sind Hochleistungstiere und sollten auch entsprechendes Leistungsfutter erhalten. „Bezahlbare“ Kraftfutterpellets erhält man in jedem guten Futterwerk, der BayWa usw. Wir nutzen jedoch einen ganz besonderen Vorteil, denn es gibt Angorazüchter, die sich zusammen getan haben und ihr eigenes relativ kostengünstiges Futter mischen und pelletieren lassen. Dieses enthält Zusatzstoffe, die ein gesundes Fellwachstum fördern (versch. Aminosäuren), aber in anderen Futtern nicht enthalten sind. Es ist also ein kleiner Tipp am Rande, den Angorazüchter des Vertrauens einmal danach zu fragen …