Tierische Leistungen
L und L Tiere!L und L Tier … kein fachlicher Begriff, sondern einer, der mir beim Entwurf dieser Homepage und der Frage „Was macht das Angorakaninchen aus?“ einfiel … Liebhaber- und Leistungstier zugleich - denn noch nie habe ich „Stallkaninchen“ erlebt, die so freundlich, zutraulich und ruhig sind, wenn man mit ihnen umgeht, wie das Angora. Es ist sehr interessant zu sehen, wie beharrlich ein Angora in den Taschen nach Leckerchen suchen kann, wenn es einem auf dem Schoß sitzt, obwohl es nie so sozialisiert wurde, wie zum Beispiel ein Zwergkaninchen, das in der Wohnung lebt. Dieses zahme und ruhige Grundwesen ist allen Angoras eigen und begründet sich darin, dass die unkompliziertesten Tiere auch die Einfachsten in der Schur waren und noch immer sind. Ein Zappelphilipp auf dem Schertisch war einfach nicht tragbar und wurde entsprechend von der Zucht ausgeschlossen. Warum ich sie als Leistungstiere bezeichne, dürfte klar sein … es wurde seit jeher als die „Königin unter den Kaninchenrassen“ und als das wirtschaftlichste Kaninchen überhaupt bezeichnet, da es das einzige Kaninchen ist, das seinem Besitzer schon zu Lebzeiten einen Ertrag in Form von Wolle erbringt …
WolleDie Wolle – Kür eines jeden Angorakaninchens. Mit 5-16 Mikron ist die Wolle des Deutschen Angorakaninchens feiner als die des Babymerinos oder des Alpakas. Sie sollte einen Anteil von etwa 3 % Grannenhaaren (also stärkere Leithaare) besitzen, da diese eine Stützfunktion übernehmen. Die Wolle wächst ununterbrochen weiter, so dass das Kaninchen alle 10-12 Wochen geschoren werden muss. Die Wolle ist dann etwa 6-8 cm lang und -wie der Profi sagt- reif. Überreife Wolle filzt sehr schnell und es tut dem Tier auch nicht gut, die Wolle länger zu tragen als nötig. Bei entsprechender Ernährung und regelmäßiger Schur kann man von einem Ertrag von bis zu 1500-2000g Wolle pro Jahr ausgehen! Ein Alpaka bringt im Jahr einen Ertrag von ca. 4 kg Wolle. Es werden in regelmäßigen Abständen Angoraleistungsprüfungen durchgeführt, um eine Kontrolle darüber zu haben, wie sich die Leistung unter gleichbleibenden Bedingungen in der Zucht entwickelt. Nähere Informationen dazu gibt es leicht zu ergooglen im Internet.
|
FleischDas Angorakaninchen stellt nicht nur im Hinblick auf seine Wolle Rekorde auf, sondern ist auch im Bezug auf Fleischqualität und Schlachtausbeute vielfacher „Meister“. Natürlich wird es für den Ein oder Anderen befremdlich sein, dass man im Bezug auf eine vom Aussterben bedrohte Haustierrasse auch über das Schlachten spricht, aber das gehörte schon immer zum Kaninchen dazu … Zucht, auch Erhaltungszucht, bedeutet, dass die Tiere dem Standard und allen damit zusammenhängenden Anforderungen entsprechen müssen. Darum werden diese Tiere auch so genutzt wie es von Anfang an war, die richtig Guten bleiben für die Zucht oder zur Wollproduktion und die weniger passenden werden gemästet. Aber nun zum Eigentlichen … Bei Untersuchungen zur „Schlachtkörperausbeute und Fleischqualität“ von verschiedenen Kaninchenrassen konnte die Rasse bemerkenswerte Ergebnisse erzielen, die bekannte Rassen wie den blauen Wiener oder Masthochzuchthybridrassen wie das Zika-Kaninchen in den Schatten stellten. Angorakaninchenfleisch ist mit einer Ø Scherkraft von 2,2 kg das mit Abstand zarteste Kaninchenfleisch überhaupt. Als Vergleich: der blaue Wiener lag bei 3,8kg, das Zika bei 3,2kg und der Holländer bei 3,3kg.
Mit einer Schlachtausbeute von 56 % und einem durchschnittlichen Schlachtkörpergewicht von über 1900g, spielt das Angora in der obersten Liga mit (beste Ausbeute hatte das Zika mit 56,8%!). Auch der geringe und gleichmäßig verteilte Fettgehalt des Fleisches und der geringste Drip- und Grillverlust (grob gesagt der Gewichtsverlust bei der Zubereitung des Fleisches) überhaupt, lassen das Deutsche Angorakaninchen als Sieger aus dem Ring gehen, wenn es um tierische Leistungen im Bereich Fleischerzeugung geht!
|